Geschichte

Das Universalmuseum Joanneum ist das älteste öffentlich zugängliche Museum Österreichs und das größte Universalmuseum in der Mitte Europas. Als 1811 Erzherzog Johann Baptist von Österreich (1782 – 1859) seine Stiftung in Auftrag gab, folgte er seiner Absicht, mit dem Joanneums den Fortschritt des Landes zu fördern. Er wollte damit
"...das Lernen erleichtern, die Wissbegierde reizen, jenes dem Selbstdenken
und hiemit der Selbstständigkeit so nachtheilige bloße Memoriren, jene schädliche Kluft zwischen dem Begriff und der Anschauung, der Theorie und der Praxis mehr und mehr ausfüllen helfen.“

Gleichzeitig forderte er die Bewohner/innen des damaligen Innerösterreichs (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Küstenland) dazu auf, selbst eine Geschichte des Landes zu erstellen. In der Folge erweiterten zahlreiche großzügige Schenkungen den Grundstock der musealen Sammlungen sowie einen großen Teil des Buchbestands der Steiermärkischen Landesbibliothek.

Das Areal des neuen Joanneumsviertels – insbesondere der Gebäudekomplex „Raubergasse-Kalchberggasse-Neutorgasse“ - spielte jedoch auch innerhalb der städtebaulichen Entwicklung von Graz eine bedeutsame Rolle:

Die Gesamtanlage weist einen trapezförmigen Grundriss auf, der sich durch die ursprüngliche Lage an der mittelalterlichen Stadtmauer ergab. Mitten im Stadtgeschehen gelegen, lässt sich die Geschichte des Museumsgebäudes Raubergasse 10 bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Zahlreiche Um- und Zubauten sowie mehrere Besitzerwechsel prägten das Stadtbild rund um das Areal.
Die nördliche Vierflügelanlage mit frühbarocker Fassadierung, Hofarkaden und Hauskapelle ließ Abt Franz von Kaltenhausen bereits von 1665 bis 1674 als ein Stadthaus für das Benediktinerstift St. Lambrecht errichten. Baumeister war der aus Roveredo, Graubünden, stammende Domenico Sciassia (1599/1603-1679).
Das Gebäude blieb nicht lange im Besitz der Benediktiner, denn aufgrund von Verschuldung mussten sie den Komplex im Jahr 1684 an Jakob Graf von Leslie verkaufen. Die ehemalige Stiftung, nun "Lesliehof" genannt, wurde der Familie Leslie einverleibt, und nach dem Erlöschen des Grafengeschlechts von Leslie im Jahr 1802 an den Fürsten Johann Karl von Dietrichstein vererbt. Im Jahr 1811 wurde es von den Ständen der Steiermark angekauft, um als Standort für das von Erzherzog Johann gestiftete innerösterreichische „Nationalmusäum“ Joanneum zu dienen.

Das Gebäude Kalchberggasse 2 wurde anstelle des schmalen Südflügels, der den Gartenflügel von 1665/74 und den straßenseitigen Zubau von 1825/26 verband, zwischen 1890 und 1893 nach einem Entwurf von August Gunolt mit historischer neobarocker Fassadierung und Dachbalustrade errichtet. Die 1893 vom Joanneum in das Gebäude Kalchberggasse übersiedelte Steiermärkische Landesbibliothek ist die älteste Landesbibliothek Österreichs und die zweitgrößte Bibliothek der Steiermark. Der Bibliotheksbau in der Kalchberggasse blieb seit mehr als 100 Jahren im Wesentlichen unverändert. Die fünfachsige Fassade in der Kalchberggasse war als Pendant zum gleichzeitig errichteten Museumsneubau in der Neutorgasse gestaltet worden.

Das neobarocke Museumsgebäude Neutorgasse 45 liegt als historischer Monumentalbau zwischen Neutorgasse und Museumspark, Landhausgasse und Kalchberggasse. Über einen als Kreissegment ausgebildeten Vorplatz erreicht man den runden, überkuppelten Eingangsbau. Die Gebäudestruktur wird wesentlich durch diesen zentralen Kuppelbau, das daran anschließende repräsentative Treppenhaus und die an den Zentralraum beidseitig anschließenden geschwungenen Fronttrakte bestimmt.

Das Gebäude wurde zwischen 1890 und 1894 als "Kulturhistorisches und Kunstgewerbemuseum" errichtet. Seit 1863 wollte man auf dem Gelände des Joanneumsgartens zwischen dem Museumsgebäude Raubergasse 10 und der Neutorgasse einen neuen Museumsbau errichten. Schließlich wurde August Gunolt (1849-1932) – Schüler Heinrich Ferstels, ab 1876 Professor an der k.k. Staatsgewerbeschule in Graz – mit der Erstellung entsprechender Entwürfe beauftragt.
Gunolt wurde zu seinem Plan von Barockbauten im Stile J. B. Fischers von Erlach inspiriert. Erkennbar ist dies vor allem an der geschwungenen Fassade in Exedraform, und an der Kuppel des Museumsgebäudes. Trotz Um- und Anbauten blieb das Gebäude der einzige Museumsneubau des 19. Jahrhunderts in Graz.

Seit 26.11.2011 finden Sie auf diesem Areal das neugestaltete Joanneumsviertel.
 


VergrößernARGE Museumsviertel/Nieto...

ARGE Museumsviertel/Nieto Sobejano Arquitectos – eep architekt



VergrößernHof Raubergasse; Foto:...

Hof Raubergasse; Foto: Nicolas Lackner, UMJ



VergrößernEingang Raubergasse; Foto:...

Eingang Raubergasse; Foto: Nicolas Lackner, UMJ



VergrößernGedenktafel; Foto: Nicolas...

Gedenktafel; Foto: Nicolas Lackner, UMJ



VergrößernGebäude Neutorgasse; Foto:...

Gebäude Neutorgasse; Foto: Nicolas Lackner, UMJ



VergrößernSteiermärkische...

Steiermärkische Landesbibliothek, Foto: Nicolas Lackner, UMJ



VergrößernInnenhof Joanneumsviertel,...

Innenhof Joanneumsviertel, Foto: UMJ / N. Lackner



VergrößernInnenhof Joanneumsviertel,...

Innenhof Joanneumsviertel, Foto: UMJ / N. Lackner



Presse Informationen

Film

„Joanneumsbesucher/innen“ von Birgit Baustädter/Kleine Zeitung

Presse Informationen

Interviews

Das neue Joanneumsviertel aus der Sicht der Gestalterinnen und Gestalter

Presse Informationen

Baudokumentation

Filmische Eindrücke zur Entstehung der Architektur des Joanneumsviertels