Elke Murlasits im Interview

Die Multimedialen Sammlungen sind vielen Besucherinnen und Besuchern noch als „Bild- und Tonarchiv“ ein Begriff. Hat sich nur der Name geändert, oder auch der Anspruch?

Mit der Umbenennung in Multimediale Sammlungen wollen wir die große Vielfalt, den unschätzbaren historischen Wert und den starken Gegenwartsbezug unserer Objekte in den Vordergrund stellen. Bislang sind wir als „Archiv“ als reine Serviceeinrichtung wahrgenommen worden, das seine Fotos, Filme und Audioaufzeichnungen vordergründig anderen Institutionen für ihre Arbeit zur Verfügung stellt. Als Teil des Universalmuseums Joanneum ist es aber unsere Hauptaufgabe, unsere Objekte, diese zum größten Teil sehr alten, wunderschönen Fotografien und Filme zu bewahren, zu erforschen und zu vermitteln. Jede/r, der oder die Fotos zu Hause hat, vor allem Farbfotos, weiß, wie schnell diese verblassen, an den Rändern kaputt werden. Da ist es unsere dringliche Aufgabe, diese oftmals einzigen Blicke in die Vergangenheit der Steiermark mit all unserem Einsatz zu erhalten.

Natürlich ist es uns auch ein großes Anliegen, den Steirerinnen und Steirern diese Aus- oder Einblicke in die Vergangenheit näher zu bringen. Gerade anhand dieser multimedialen Objekte kann man gut zeigen, wie sich unser Land mit seinen Traditionen, seiner Politik und seinen Normvorstellungen entwickelt hat.

Sind die Multimedialen Sammlungen ein Museum?

Das ist eine komplexe Frage. Ich würde das in unserem Fall so formulieren: Wenn man ein Museum ganz einfach als ein Haus, sprich als ein Gebäude, das eine Sammlung beherbergt, versteht, die es – wenn möglich – dort auch noch ausstellen und präsentieren kann, dann sind wir eben eine (noch dazu der umfassendsten) musealen Sammlungen innerhalb des Universalmuseums Joanneum. Das ja auch aus vielen unterschiedlichen Museen und Sammlungen besteht. Das Universalmuseum ist quasi unser aller „Museumsdach“.

Was ist Ihr Angebot an die Besucher/innen des Joanneumsviertels?

Wir versuchen unsere Sammlungen auf mehreren Ebenen zu präsentieren: Einerseits gibt es direkt im Besucher/innen-Zentrum eine Ausstellungsfläche, für die noch dazu keine Eintrittskarte zu lösen ist, in der wir zu unterschiedlichen Themen unsere Fotos, Filme und Audioaufnahmen präsentieren werden. Hier wird man sich anschauen können, wie sich die Landschaft und die Ortschaften der Steiermark in den letzten 100 Jahren baulich und strukturell verändert haben, und vielleicht dabei auch sein eigenes Elternhaus wiederfinden. Man wird Ereignisse und Persönlichkeiten der Politik sehen können, vom unrühmlichen Tag der Volkserhebung bis zum Einmarsch der russischen Truppen in Graz, von Kaiser Franz Joseph über Adolf Hitler bis hin zur Queen. Man wird erfahren können, wie sich die Entwicklung der Fotografie auf unser Bild der Vergangenheit ausgewirkt hat. Man braucht nur zu bedenken, wer überhaupt fotografieren konnte und was als fotografierenswert gegolten hat. So haben wir ganz private Fotos von der Front sowohl des Ersten, als auch des Zweiten Weltkriegs; Einblicke in hochbrisante und gefährliche Situationen, die wohl ganz anderes zeigen als die üblichen Propagandaaufnahmen. Diese werden natürlich von persönlichen Erzählungen begleitet, die das „Büro der Erinnerungen“ in den letzten Jahren gesammelt hat.

Daneben ist jede Besucherin und jeder Besucher dazu eingeladen, bei Bedarf auch gerne mit Hilfe unserer Mitarbeiter/innen an den dort aufgestellten PCs in unseren Sammlungen zu recherchieren und sich vielleicht ein Foto bei uns zu bestellen. Natürlich arbeiten wir auch stets daran, unsere Fotobestände zu erweitern. Wie gesagt, Fotos und Filme sind sehr heikle Medien, die eine ganz spezielle Lagerung benötigen. Wir werden im Joanneumsviertel eines der bestausgestattetsten Depots besitzen, in dem wir unsere Bestände in zwei unterschiedlichen Klimazonen aufbewahren können. Dies gewährleistet eine Haltbarkeit von über 100 Jahren.
Viele Familien sind mit großen Mengen an alten Fotografien überlastet und werfen diese weg oder geben sie auf den Flohmarkt. Sollte jemand aber seine analogen Fotografien nicht mehr behalten, sie aber trotzdem einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wollen, kann diese nach Absprache gerne uns übergeben.

Gibt es dabei Zielgruppen, die Sie besonders ansprechen möchten?

Eigentlich wollen wir alle an der Geschichte des Landes und der Leute Interessierten ansprechen, egal, ob sie sich zusätzlich für Fotografie oder Film interessieren oder nicht. Wir sind außerdem natürlich auch immer auf der Suche nach Interviewpartnerinnen und -partnern für das „Büro der Erinnerungen“, die uns ihre ganz persönlichen Lebensgeschichten anvertrauen wollen, um diese privaten Blicke in die steirische Vergangenheit auch der Nachwelt zu erhalten.

 


 


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Elke Murlasits



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