Peter Peer

Was erwartet die Besucher/innen der Neuen Galerie Graz im Joanneumsviertel und welche inhaltlichen Schwerpunkte sind Ihnen besonders wichtig?

Unser Publikum erwartet ein breit gefächertes Programm, das sich stärker als bisher auf die umfangreichen Sammlungen des Museums stützt. Die Neue Galerie hat seit den 1960er-Jahren durch ihre Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit die Entwicklung unterschiedlichster zeitaktueller künstlerischer Strömungen begleitet und dokumentiert. Hinzu kommt ein Segment von Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dessen Grundstein mit der Gründung des Joanneums gelegt worden war und das im Lauf der Zeit ebenfalls eine regelmäßige Erweiterung erfahren hat. Die Sammlung der Neuen Galerie entwickelte infolgedessen eine Vielfalt an künstlerischen Richtungen und Medien von ca. 1800 bis zur Gegenwart. Genau diese Vielfalt, die von historischen bis zu zeitgenössischen, von lokalen bis zu internationalen Positionen reicht, wo künstlerische Strömungen wie Biedermeier, Jugendstil, (regionale) Formen des Expressionismus und der klassischen Moderne, Positionen österreichischer und internationaler Malerei nach 1945 (u. a. aus den sogenannten „Trigon“-Ländern), Wiener Aktionismus, Medien- und Konzeptkunst etc. vertreten sind, die unterschiedliche Medien wie Malerei, Graphik, Plastik, Fotografie, Video und installative Arbeiten ihr eigen nennt, all dies möchten wir im Joanneumsviertel im Rahmen einer permanenten, aber zugleich flexibel aufgefassten Präsentation vermitteln. Das bedeutet, dass einzelne Teile der Ausstellung in regelmäßigen Zeitabständen ausgetauscht bzw. erneuert werden. Somit kann im Verlauf von mehreren Jahren ein größtmöglicher Überblick über unseren Sammlungsbestand gewährleistet werden, und eine sogenannte „Dauerausstellung“ gewinnt durch die kontinuierliche Veränderung zusätzlich an Attraktivität.
Parallel zur permanenten Schau wird es Wechselausstellungen geben, welche sich auf künstlerische Themen und Einzelpositionen konzentrieren und sich inhaltlich im Großen und Ganzen ebenso an der Sammlung orientieren. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir darin nur Werke aus den eigenen Beständen präsentieren. Es geht dabei ebenso um größere Zusammenhänge, um zeit- oder wesensverwandte Positionen anderswo, die mit bestimmten Bereichen unserer Sammlung korrespondieren und vergleichend gegenübergestellt werden können. Wir streben hier also durchaus eine Zusammenarbeit mit anderen Institutionen an.
Einen dritten Schwerpunkt bildet das BRUSEUM, das in der Neutorgasse seine eigenen, permanenten Ausstellungsräume erhält.


Welche Ziele verfolgt das BRUSEUM?

Das BRUSEUM stellt einen eigenen Sammlungs- und Forschungsbereich innerhalb der Neuen Galerie dar, welcher die wissenschaftliche Aufarbeitung des umfangreichen Schaffens von Günter Brus zum Ziel hat. Ausstellungen und Publikationen bilden nur einen Teil der Aufgaben. Sie sollen das Werk von Brus, seine Inspirationsquellen, sein künstlerisches Umfeld und seine Wirkung auf zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler behandeln und spiegeln gleichsam die Ergebnisse der geleisteten Forschungsarbeit wider. Ergänzend dazu sind Symposien, Workshops, Vorträge, Film- und Konzertabende geplant. Die Sammlung des BRUSEUMs beinhaltet einen beträchtlichen Teil an künstlerischen Arbeiten, den literarischen Vorlass sowie zahlreiche archivalische Materialien. Doch erstrecken sich die Forschungen über die eigenen Bestände hinaus auf das gesamte erfassbare Œuvre des Künstlers. Das BRUSEUM ist somit die erste Anlaufstelle für Fragen zum Werk von Günter Brus.


Planen Sie auch Ausstellungsprojekte in Kooperation mit anderen Joanneums-Abteilungen, wie z. B. den benachbarten Multimedialen Sammlungen?

Das breite Sammlungsspektrum der Neuen Galerie bietet sich selbstverständlich für verschiedene Kooperationen mit anderen Abteilungen im Universalmuseum Joanneum an, und wir sind im Grunde schon seit einigen Jahren miteinander im Gespräch. Im Bereich Fotografie planen wir mit den Multimedialen Sammlungen gemeinsame Ausstellungen. Weiters arbeiten wir schon seit geraumer Zeit mit der Alten Galerie zusammen, wobei es hier vorrangig um den wechselseitigen Austausch von Exponaten für unsere Schausammlungen geht, aber ebenso um gemeinsame Ausstellungsprojekte. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Österreichische Skulpturenpark mit seinem Schwergewicht auf zeitgenössischer Plastik. Einige der dort aufgestellten Objekte waren ja in Ausstellungen der Neuen Galerie zu sehen, die Abteilungen treffen sich also inhaltlich im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Auf jeden Fall werden wir dieses gemeinsame Potential in Zukunft stark nutzen.
 

Mag. Dr. Peter Peer, Leiter Abteilung Moderne und zeitgenössische Kunst


Presse Informationen

Film

„Joanneumsbesucher/innen“ von Birgit Baustädter/Kleine Zeitung

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Interviews

Das neue Joanneumsviertel aus der Sicht der Gestalterinnen und Gestalter

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Baudokumentation

Filmische Eindrücke zur Entstehung der Architektur des Joanneumsviertels